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Säkularisierung und Umnutzung
Walter Gürtler
Renovierung
Im Elsässischen Hegenheim befindet sich eine alte Synagoge. So schlicht ihre Erscheinung, so sehr erstaunt und bezaubert sie alle, die sie entdecken. Der Bau des beginnenden18. Jahrhundert besteht hauptsächlich aus einem grossen, säulenfreien Saal, gesäumt von einer mit einfachem Ornament verzierten Balustrade. Das Licht und die Akustik reichen nicht aus, die außergewöhnlich schöne Atmosphäre des Saales zu erklären, die bei jeder und jedem einen bleibenden Eindruck hinterlässt. Doch sie ist ein Grund, warum wir uns für ihren Erhalt engagieren. Die alte Synagoge steht auf französischem Boden, nah an der Grenze zum schweizerischen Basel. Wir befinden uns im Dreiländereck, wo Ortschaften und Staatsgrenzen sich aneinander schmiegen und wo kaum ein Gebäude sich besser eignet, die Geschichte dieser Gegend zu repräsentieren, als die alte Synagoge in Hegenheim.
Anfang des 18. Jahrhunderts diente sie der damals grossen jüdischen Gemeinde von Hegenheim als geistliches Zentrum. 1920 belegen Gerichtsakten die Profanisierung der Synagoge, da die meisten Juden die Gegend verlassen hatten. Seit 1960 blieb sie in den Händen von Künstler:innen, zuerst von Walter Gürtler, der sie 50 Jahre bewohnte und als Atelier nutzte und ab 2014 von Kunstschaffenden, die zunächst einen Schweizer und 2020 einen Französischen Verein gründeten, um sich für den Erhalt und die Umnutzung der alten Synagoge zu engagieren. Der französische Vereinsname le ventre ist unterdessen auch der Name für das kulturelle Betriebskonzept der ehemaligen Synagoge.
Als wir die Synagoge 2014 übernahmen, war sie in einem prekären Zustand und es gab niemanden, keine Institution, keine regionalen Instanzen, keine Privaten, die sich der Rehabilitation des historisch bedeutsamen Gebäudes annehmen wollten. Der Grund dafür war wohl einerseits, dass seine historische Relevanz anfangs noch nicht erkannt wurde und andererseits, dass niemand wusste, wie man es nutzen könnte. Auf Kunstschaffende wirkte der Ort dagegen schon immer wie ein Magnet. Die Raumbedingungen sind ideal für Musik, Performance und Installationen, sie bieten einen Lebensraum für das Imaginäre, sind ideal als Probe- und Entwicklungsort für kulturelle und künstlerische Formate. Der Standort von le ventre im Dreiländereck bei Basel ist perfekt zur Förderung des internationalen Austausches von Kunstschaffenden und Kunstinteressierten. le ventre kann Verbindungen über die Grenzen der drei Länder hinweg herstellen, sich als Knotenpunkt in der Kulturlandschaft der drei Länder mit internationaler Strahlkraft etablieren und zugleich die historische Relevanz und die Schönheit des Gebäudes und ihre Sichtbarkeit zu bewahren.
Der Kauf und die Finanzierung der dringend notwendigen Dachsanierung konnten durch private Hand realisiert werden. Um die Renovation und Umnutzung des Gebäudes zu vollenden, suchen wir nun weiteres Kapital.
Ihre Unterstützung ermöglicht und stärkt die zeitgenössische Kunst über die Grenzen hinweg und trägt zur Bewahrung einer der letzten und am besten erhaltenen Landsynagogen des 18. Jahrhunderts im Elsass bei.